Es begann mit einem Alarm — aber nicht dem gewöhnlichen. Am frühen Samstagabend des 6. Juni rollte vor dem Haus von Frank Slotta kein normales Einsatzfahrzeug vor, sondern ein alter Willys-Jeep: ein Fahrzeug mit Geschichte, einst ein Geschenk der Kameraden aus Arcachon, der französischen Partnerstadt Goslars, mittlerweile als Feuerwehrauto aufgebaut und für besondere Events in Dienst genommen. Mit diesem Jeep, begleitet von beiden Löschzügen und mit Alarm, wurde der stellvertretende Stadtbrandmeister von zu Hause abgeholt — gemeinsam mit seiner Frau Ulla — und zur Feuerwache Goslar gefahren, wo Kameradinnen und Kameraden bereits auf ihn warteten. Was dann folgte, war ein Moment, der selbst einem gestandenen Feuerwehrmann kurz die Kehle zuschnürte und die Augen feucht werden ließ. Wer Frank Slotta kennt, weiß: Das ist nicht selbstverständlich.
Die Idee des Abends war klug durchgespielt. Offiziell hatte Stadtbrandmeister Christian Hellmeier zu einem Partnerschaftsaustausch eingeladen — die Kameraden aus Arcachon, Aveiro, Beroun und Brzeg waren bereits seit mehreren Tagen in Goslar zu Gast —, mit einem abschließenden „Farewell Dinner“ als letztem Tagesordnungspunkt: Ort und Uhrzeit bewusst offengelassen. Dass irgendwann in dieser Woche auf dem Hof der Feuerwache eine mobile Getränkebude aufgetaucht war, die dort eigentlich nicht hingehörte, hatte Slotta stutzig gemacht. Als dann der Jeep vorfuhr: „Eins und eins habe ich dann doch zusammengesetzt“, räumte er später schmunzelnd ein. Dass ihn der Abend in dieser Form dennoch überraschte, bestritt er nicht. „Das habe ich so nicht erwartet. Das ist auch nicht so wirklich mein Ding, da im Mittelpunkt zu stehen.“
Elf Jahre hat Frank Slotta das Amt des stellvertretenden Stadtbrandmeisters im Stadtkommando der Freiwilligen Feuerwehren Goslars innegehabt — elf Jahre Verantwortung für alle elf Ortsfeuerwehren des Stadtverbandes. Koordination zwischen den Einheiten, Führungsarbeit auf Stadtebene, die nicht immer einfachen Abstimmungsprozesse, die ein Stadtverband dieser Größe braucht: Das war sein Terrain. Kein Terrain des großen Auftritts, sondern eines, das vertrauensvolle Beziehungen, Verlässlichkeit und die Fähigkeit erfordert, mit sehr unterschiedlichen Menschen zu arbeiten — und dabei stets die Sache in den Mittelpunkt zu stellen.
Durch den Abend führte Stadtbrandmeister Christian Hellmeier — als Gastgeber, Moderator und Architekt der Überraschung zugleich. Er hatte die Einladung zum vermeintlichen Partnerschaftsaustausch formuliert, den letzten Programmpunkt bewusst vage gehalten und jeden Redner des Abends souverän eingeführt. Natürlich ergriff er auch selbst das Wort: Er sprach über die elf gemeinsamen Jahre in der Stadtfeuerwehrführung, über die Partnerschaftsbeziehungen, die Slotta über viele Jahre mitgeprägt hatte, und über das, was gute Zusammenarbeit im Ehrenamt im Kern ausmacht — Worte, auf die Frank Slotta in seiner eigenen Ansprache noch ausdrücklich eingehen würde.
Die formellen Würdigungen des Abends spiegelten die Breite dieses Engagements wider. Den persönlichsten Rahmen gab ihnen Kreisbrandmeister Udo Löprich, der in einer ausgesprochen persönlichen Ansprache auf seinen langjährigen Wegbegleiter zurückblickte. Frank habe ihn früh in seiner Feuerwehrlaufbahn begleitet und unterstützt — als Zugführer, später als verlässlicher Ratgeber in Fragen der Führungsarbeit. „Du warst einer meiner wichtigsten Berater, auf den ich mich immer verlassen konnte“, sagte Löprich. „Manchmal muss man auf den richtigen Weg hingewiesen werden, ob man richtig liegt oder nicht — und das hast du für mich getan.“
Besonderes Gewicht legte Löprich auf die Bedeutung der verliehenen Landesauszeichnung. Das Silberne Feuerwehrehrenzeichen am Bande des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und Digitalisierung sei eine Auszeichnung von besonderem Rang, die nicht selbstverständlich vergeben werde — und für die er und Stadtbrandmeister Christian Hellmeier sich gemeinsam nachdrücklich eingesetzt hätten. „Diese Ehrung hast du dir verdient“, schloss Löprich — und bat die Anwesenden, sich zu erheben.
Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner überreichte im Namen der Stadt Goslar die Ehrennadel der Stadt, gemäß einem Beschluss des Verwaltungsausschusses vom 1. Juni 2026, für sein herausragendes Engagement und sein ehrenamtliches Wirken für die Goslarer Feuerwehren. Stadtbrandmeister Christian Hellmeier verlieh Slotta mit Wirkung vom 6. Juni 2026 die Ehrenmitgliedschaft im Stadtkommando der Freiwilligen Feuerwehr Goslar — in Anerkennung eines, so die Urkunde, weitaus außerordentlichen ehrenamtlichen Engagements für das Feuerschutzwesen der Stadt.
Jürgen Koch, der seinerseits als stellvertretender Stadtbrandmeister mit Slotta zusammengearbeitet hat und in diesem Jahr sein eigenes letztes in diesem Amt bestreitet, schloss sich den Dankesworten an. Er hob die vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe hervor, die die gemeinsamen Jahre geprägt habe — knapp, persönlich, von der Art, wie man über Dinge spricht, die man nicht mehr erklären muss.
In seinen eigenen Dankesworten zeigte sich Frank Slotta sichtlich bewegt. Schon das Abholen zu Hause mit seiner Frau Ulla, schon der Empfang auf der Feuerwache habe ihn getroffen. Seinem Naturell entsprechend nahm er sich selbst schnell wieder aus dem Mittelpunkt — und dankte stattdessen all jenen, die ihm über Jahrzehnte Aufgaben zugetraut hatten. Wie er überhaupt zu dieser Funktion gelangt sei, beschrieb er mit nüchterner Offenheit: Erst sei geprüft worden, ob er die Aufgabe erfüllen könne — dann erst sei er gefragt worden, ob er sie wolle. Neben Christian Hellmeier sei bei dieser Einschätzung auch Ehrenstadtbrandmeister Burkhard Siebert beteiligt gewesen. An Hellmeier selbst richtete Slotta einen ausdrücklichen Dank für die gemeinsamen Jahre: „Du hast es vorhin gesagt — das war eine Basis auf Augenhöhe, eine Basis auf Freundschaft.“ Und: „Dir, lieber Christian, ganz besonderen Dank, dass ich diese Aufgabe elf Jahre lang ausüben durfte.“
Bei Siebert verweilte Slotta mit dem herzlichsten Dank des Abends. Denn ihm verdanke er einen zentralen Teil seines Weges: die Einführung in die Welt der Feuerwehr-Partnerstädte. Der intensive Kontakt zu den Feuerwehren in Arcachon, Aveiro, Beroun und Brzeg sei nicht auf seinem „eigenen Mist gewachsen“ — das hätten ältere Kameraden über Jahrzehnte aufgebaut, viele von ihnen inzwischen nicht mehr da. Siebert habe ihn mitgenommen, habe ihm ermöglicht, andere Feuerwehrkulturen kennenzulernen und den eigenen Horizont zu weiten. „Ich konnte mich dort mit den Feuerwehrkameraden aus den Partnerstädten austauschen, mich weiterentwickeln und ein Stück über den Tellerrand schauen, wie machen die es, wie machen wir es.“ Dass ausgerechnet der alte Willys-Jeep aus Arcachon an diesem Abend für die Fahrt von zu Hause zur Feuerwache genutzt wurde, war so mehr als ein nettes Detail — es war ein Symbol: Die Partnerstädte waren von Anfang an dabei.
Die Zusammenarbeit in der Stadtfeuerwehrführung beschrieb Slotta als geprägt von Vertrauen, Freundschaft und dem ehrlichen Willen zur gemeinsamen Lösung. „Es geht immer nur, wenn man Vertrauen zueinander hat, wenn man mehr als freundschaftlich zusammenarbeitet. Das, glaube ich, hat uns ausgezeichnet.“ Manchmal habe man auch „Politik machen“ müssen — aber immer auf dem Boden gegenseitigen Respekts, nie auf Kosten der Sache.
Denselben Respekt beschrieb er für die Arbeit mit den Ortsbrandmeistern der Ortsfeuerwehr Goslar. Das Ringen um den richtigen Weg — manchmal kontrovers, manchmal unbequem — war für ihn kein Widerspruch zur Kameradschaft, sondern ihr bester Ausdruck: „Wir haben gerne miteinander um die Dinge gestritten. Und das Gute daran ist immer, dass aus Differenzen oder aus unterschiedlichen Meinungen immer praktische Umsetzungen erfolgen. Und das haben wir immer hingekriegt.“ Namentlich dankte er den Mitgliedern des Stadtkommandos, den Fachzugführern und ihren Stellvertretern — für viele gemeinsame Arbeit, aber auch für Jahreshauptversammlungen, die immer auch eine Freude gewesen seien.
Für Jürgen Koch, der in diesem Jahr sein letztes als stellvertretender Stadtbrandmeister bestreitet, hatte Slotta eine persönliche Geste: „Ich wünsche dir noch für dein letztes Jahr alles Gute in dem Amt.“ Die beiden hätten, wie er formulierte, oft sehr dicht beieinandergelegen — und immer einen Weg gefunden.
Eine besondere persönliche Freude war die Anwesenheit von Michael Gerbert, seinem früheren Zugführerkollegen aus den Zeiten, als die Goslarer Wehr noch in zwei Züge gegliedert war. Gerbert war eigens aus Bardowick angereist — eine Geste der Freundschaft, die Slotta ausdrücklich würdigte: „Das freut mich ganz besonders.“
Dass der Abend so wurde, wie er wurde — warm, persönlich, mit echten Worten statt protokollarischer Höflichkeit —, war kein Zufall. Es war das Ergebnis von elf Jahren, in denen Frank Slotta genau mit dieser Haltung gearbeitet hatte: verlässlich, klar, auf Augenhöhe. „Ich bedanke mich ganz herzlich für diesen tollen Abend, der hoffentlich noch nicht so schnell zu Ende geht.“
Auch die Delegationen aus den Partnerstädten Arcachon, Aveiro, Beroun und Brzeg, die seit mehreren Tagen gemeinsam mit der Goslarer Wehr unterwegs gewesen waren, richteten herzliche Grußworte an Frank Slotta und überreichten mit Bedacht ausgewählte Geschenke — ein stiller, aber eindrücklicher Beweis dafür, wie sehr das Netzwerk, das Slotta über viele Jahre mitgeprägt hat, inzwischen lebt und trägt.
Er ging nicht so schnell zu Ende.
Die Feuerwehr Goslar dankt Erstem Hauptbrandinspektor Frank Slotta a. D. für elf Jahre herausragende Führungsarbeit im Stadtkommando und wünscht ihm für den nächsten Lebensabschnitt von Herzen alles Gute.











