Eine schwarze Rauchsäule stand am Dienstag stundenlang über dem Norden Goslars: Im Industriegebiet Baßgeige geriet am Vormittag eine Lagerhalle in Brand – ein Einsatz, der die Feuerwehr Goslar und zahlreiche weitere Feuerwehren aus der Region rund 18 Stunden lang beschäftigte und dessen Nachwirkungen auch den Folgetag noch prägten.
Gegen 10:44 Uhr war die Meldung über brennende Paletten in einer Lagerhalle im Schweppenkamp eingegangen, die Leitstelle alarmierte umgehend mit dem Stichwort „B3 – Lagerhallenbrand“. Bereits auf der Anfahrt war die große schwarze Rauchwolke weithin sichtbar. Bei Eintreffen der ersten Kräfte bot sich ein Bild massiver Brandausbreitung: Die Halle stand bereits in voller Ausdehnung in Flammen. Starker Wind fachte das Feuer zusätzlich kräftig an, zudem brannte das in der Halle gelagerte Material aufgrund seiner Beschaffenheit besonders intensiv. Das Feuer breitete sich auf einer Fläche von rund 2.500 Quadratmetern aus. Personen befanden sich zum Zeitpunkt des Eintreffens nicht mehr im Gebäude, verletzt wurde niemand. Man schätzt den entstandenen Sachschaden auf über zwei Millionen Euro.
Angesichts der raschen Brandausbreitung weitete die Einsatzleitung die Alarmierung mehrfach aus: Zunächst wurde der Löschzug Goslar durch weitere Ortsfeuerwehren des Stadtverbandes verstärkt, kurz nach Mittag wurden zusätzlich Einheiten aus jeder Feuerwehr des Stadtverbandes alarmiert, ergänzt um umfangreiche überörtliche Unterstützung aus dem gesamten Landkreis sowie von Berufsfeuerwehren aus der Region, darunter auch weiter entfernte Wehren. Zeitweise waren rund 370 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, THW und Polizei gleichzeitig vor Ort; da am späten Nachmittag zusätzlich Ablösekräfte nachalarmiert wurden, um die Kräfte im Einsatz zu entlasten, und mehrere Schichtwechsel stattfanden, stieg die über den gesamten Einsatzverlauf kumulierte Zahl auf rund 425 Kräfte sowie mehr als 100 verschiedene Einsatzmittel. Die Einsatzleitung wurde in mehrere Abschnitte unterteilt, um die Löscharbeiten und die Absicherung des Umfelds koordiniert steuern zu können.
Zur Löschwasserversorgung wurde zunächst umfangreich mit einem Pendelverkehr aus Tanklöschfahrzeugen gearbeitet, bei dem über 10.000 Liter pro Umlauf an die Einsatzstelle transportiert wurden – notwendig durch die massive Wasserabgabemenge, die zur Eindämmung der Brandausbreitung erforderlich war. Im weiteren Verlauf wurden zusätzlich Hochleistungsförderstrecken-Systeme (HFS) aus Northeim und Braunschweig in Betrieb genommen, mit dem sich über Schlauchleitungen große Wassermengen leitungsgebunden über weite Strecken zur Einsatzstelle fördern lassen. Später öffnete ein Bagger Teile der einsturzgefährdeten Halle, damit die Einsatzkräfte verbliebene Glutnester im Inneren gezielt von außen ablöschen konnten, unter anderem auch mit Schaum.
Parallel überwachte der angeforderte Messzug fortlaufend die Schadstoffbelastung in der Umgebung – unter anderem an Kindergärten, Pflegeeinrichtungen, dem Krankenhaus sowie in mehreren umliegenden Ortschaften. Eine Gefährdung der Bevölkerung bestand zu keinem Zeitpunkt, sämtliche Messungen blieben durchgehend unauffällig. Eine Drohne kreiste während des gesamten Einsatzes über der Einsatzstelle und unterstützte so die Lageerkundung und -führung.
Als Vorsichtsmaßnahme wurden umliegende Betriebe bereits in der Anfangsphase vorsorglich geräumt. Gegen 14:20 Uhr hatte die Feuerwehr das Feuer unter Kontrolle, die anschließenden Nachlöscharbeiten zogen sich über den Nachmittag hin. Erst am späten Nachmittag, gegen 16:45 Uhr, konnte die Evakuierung schließlich aufgehoben werden – Anlieger konnten in ihre Gebäude zurückkehren. Trotz des starken Windes gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf die benachbarten Gebäude zu verhindern – das erklärte Ziel, die angrenzenden Betriebe zu schützen, wurde damit vollständig erreicht. Wie Stadtbrandmeister Christian Hellmeier in seinem Abschlussstatement am Mittwoch betonte, habe man das Feuer erfolgreich bekämpft und dort aufgehalten, wo man es vorgefunden habe: Die brennende Halle selbst sei nicht mehr zu retten gewesen, die umliegenden Gebäude habe man jedoch vollständig erhalten können. Die großräumigen Straßensperrungen im Bereich Baßgeige blieben zur Absicherung der andauernden Nachlöscharbeiten zunächst bestehen.
Am frühen Abend kam es in einem Gebäudeabschnitt zu einer erneuten, kleineren Flammenbildung, die von den Einsatzkräften umgehend bemerkt und gezielt nachgelöscht wurde. Das Technische Hilfswerk unterstützte den Einsatz mit Beleuchtung der Einsatzstelle und stellte in seinen Räumlichkeiten direkt gegenüber der Einsatzstelle unkompliziert einen Stabsraum zur Verfügung, von dem aus die Einsatzleitung koordiniert wurde. In einer nahegelegenen Halle richtete das THW zudem eine Verpflegungsstelle ein, über die auch die zahlreichen Einsatzkräfte im Wechsel versorgt wurden. Die zu Feuerwehr gehörenden Spontanhelfer aus der Bevölkerung fanden sich in Laufe Einsatzes an der Feuerwache und wurden in die Versorgung eingebunden. Da ein Teil der Einsatzkräfte durch den langen Löscheinsatz durchnässte oder verschmutzte Einsatzkleidung ablegen musste, wurde die Kleiderkammer alarmiert, um Ersatz bereitzustellen.
Einsatzleiter und Stadtbrandmeister Christian Hellmeier betonte in den regelmäßigen Lagebesprechungen wiederholt, dass trotz der komplexen Lage gute Erfolge erzielt worden seien. Auch die Zusammenarbeit der beteiligten Kräfte – Feuerwehren unterschiedlichster Herkunft, Rettungsdienst, Polizei, Stadtverwaltung und THW – habe während des gesamten Einsatzes hervorragend funktioniert. „Es gab keine Verletzten, und ich glaube, das ist immer das Wichtigste bei solchen Großschadenereignissen“, sagte Hellmeier dazu in seinem Abschlussstatement am Mittwoch.
Angesichts der Einsatzdauer übergab die Einsatzleitung am Abend an ein Nachtteam, das die Nachlöscharbeiten sowie den schrittweisen Rückbau der Wasserförderstrecke fortführte.
Mit reduzierter Personalstärke setzten die Einsatzkräfte die Nachlöscharbeiten die gesamte Nacht über fort, wobei verstärkt Schaum als Netzmittel zum Einsatz kam, um auch tiefliegende Glutnester im Material zuverlässig zu löschen. Gegen 4:34 Uhr konnte schließlich „Feuer aus“ gemeldet werden – vom ersten Alarm bis zu diesem Zeitpunkt waren rund 18 Stunden intensiver Löscharbeit vergangen. „Wir konnten heute Nacht gegen vier Uhr ‚Feuer aus‘ melden“, fasste Hellmeier den Einsatzverlauf in seinem Abschlussstatement am Mittwoch zusammen.
Auch der Mittwoch, 8. Juli, war für die beteiligten Wehren noch von umfangreichen Nachbereitungen geprägt. Neben dem Rückbau der kilometerlangen Schlauchleitungen der Wasserförderstrecke mussten Atemschutzgeräte und persönliche Schutzausrüstung gereinigt und überprüft sowie beschädigte oder verschmutzte Schläuche ausgetauscht werden. Die eingesetzten Fahrzeuge wurden umfassend neu bestückt und gereinigt, um die vollständige Einsatzbereitschaft der beteiligten Wehren wiederherzustellen. Für viele Kräfte bedeutete das nach einer durchwachten Nacht einen weiteren langen Arbeitstag im Rahmen einer umfangreichen Einsatznachbereitung, bevor die Einsatzstelle schließlich vollständig geräumt werden konnte.
Ein Dank an alle Beteiligten
Ein Einsatz dieser Größenordnung ist nur im Zusammenspiel vieler Hände möglich. Die Feuerwehr Goslar bedankt sich ausdrücklich bei allen Ortsfeuerwehren des Stadtverbandes sowie bei den Feuerwehren Langelsheim, Bad Harzburg, Liebenburg, Bündheim, Harlingerode und Westerode für die schnelle und unkomplizierte Unterstützung. Ebenso gilt der Dank den eingesetzten Mess- und Spürfeuerwehren, die über Stunden hinweg die Schadstoffbelastung in der Umgebung überwachten, sowie der Berufsfeuerwehr Salzgitter und den Feuerwehren Northeim und Braunschweig für ihre Hilfe bei der Löschwasserförderung.
Bedanken möchten wir uns außerdem beim Kreisbrandmeister für die übergeordnete Koordination, bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) für die logistische Unterstützung sowie beim DRK, dem Rettungsdienst, dem THW und der Polizei für die reibungslose Zusammenarbeit über den gesamten Einsatzverlauf.
Nicht zuletzt gilt unser Dank den Einsatzkräften und Institutionen im Hintergrund, ohne die ein Einsatz dieses Ausmaßes nicht zu bewältigen gewesen wäre: dem Energieversorger, der Firma Bagger Friehe, der Unteren Wasserbehörde der Stadt Goslar, der Ordnungsbehörde der Stadt Goslar, dem Betriebshof der Stadt Goslar sowie Eurawasser.
Fotos: Feuerwehr Goslar & Uwe Epping






































